#sozialcamp – Wie digitalisiert darf soziale Arbeit sein?

Am 25. und 26. Oktober ging es für Sara zum Barcamp Soziale Arbeit, kurz #sozialcamp. Bereits zum dritten Mal fand das von der Caritas initiiert Event im Katholisch-Sozialen-Institut (KSI) in Siegburg statt. Gleich zu Beginn unseres Barcamp-Berichts gilt unser Dank den Veranstaltern und Organisatoren von CaritasKSIKatholischer Hochschule NRW und natürlich bonn.digital, die gewohnt professionell und sympathisch durch die Veranstaltung führten.

Thematischer Dreh- und Angelpunkt: Digitalisierung

Ein Thema brannte den Teilnehmer/innen ganz besonders unter den Nägeln – die Digitalisierung. Welche Chancen bietet sie und bis wohin darf sie, zum Beispiel in der Arbeit mit Klienten und unter Datenschutzgesichtspunkten, gehen? Kein Wunder, dass sich die überwiegende Zahl der Sessions dann auch, zumindest auf den zweiten Blick, mit dem Thema Digitalisierung befasste.

Für uns als Agentur gibt es kaum noch Arbeitsabläufe, die nicht vollständig oder zumindest teilweise digitalisiert sind. Selbst die Frage, ob PR-Texte in 5 Jahren vielleicht schon mittels künstlicher Intelligenz von einem Computer “geschrieben” werden, wird in der Agenturbranche seit längerem ausgiebig diskutiert.

Nichtsdestotrotz: Dergestalt vorgeprägt, war es für uns sehr interessant zu beobachten, wie das Thema Digitalisierung im Bereich der Sozialen Arbeit gedacht und umgesetzt wird.

Digitale Transformation und Klientenzentrierung

Eine Session des ersten Sozialcamp-Tages brachte die Kontroversen rund um die zunehmende Digitalisierung der Sozialen Arbeit auf den Punkt: “7 große gesellschaftliche und digitale Trends”, moderiert von Angela von Caritas Tandem 4.0. Die sieben Trends, deren Vor- und Nachteile in der Folge ausgiebig diskutiert werden sollten lauteten:

  • Vernetzung
  • Teilen statt Besitzen
  • Veränderung der Arbeitswelt
  • Personenzentrierung
  • Daten und Automatisierung
  • Beschleunigung
  • Veränderung der Kommunikationswelt

Spannend war für uns, dass sich viele der Teilnehmer/innen vor allem dann zurückhaltend oder kritisch äußerten, wenn die Digitalisierungstrends ihre eigenen Klienten mit einbezog. So hieß es zum Beispiel, dass digitale Trends wie “Beschleunigung” oder die “Veränderung der Kommunikationswelt” für Menschen aus sozialen Randgruppen oft nicht wirklich nutzbar wären. „Neue“ Kommunikationsinstrumente, wie Skype oder Facetime, WhatsApp, Threema, Facebook Messenger und Co. bieten die Möglichkeit enger und schneller mit Klienten in Kontakt treten zu können, eine intensivere Beratung sicherzustellen und letztlich eine breitere Vertrauensbasis zu schaffen. Wir vermuten, dass hierüber unter den Teilnehmer/innen weitestgehend Konsens besteht. Dennoch wurden für unseren Geschmack etwaige Probleme (DSGVO, Privacy, Technik) – im Verhältnis zu möglichen Lösungsansätzen – zu ausgiebig thematisiert.

Apropos DSGVO: Da wir hier nicht vom vertrieblichen Einsatz sprechen, gibt es für Sozial- organisationen selbstverständlich die Möglichkeit individuelle Datenschutzregelungen mit ihren Klienten zu vereinbaren, so diese dafür offen sind. Theoretisch ist z.B. bei Whatsapp eine „beidseitige Einwilligung“ übrigens bereits dann gegeben, wenn der Erstkontakt vom Klienten ausgeht (Weitere Infos).

Wenn ein Klient sich zu 80 % per Whatsapp mit seiner Umwelt austauscht und der Rest auf Telefonie entfällt, macht es unter Servicegesichtspunkten wenig Sinn Termine etc. ausschließlich per E-Mail abzustimmen. Wenn es um Klientenzentrierung geht, sollte die optimale Ansprache im Mittelpunkt stehen – auch wenn das Veränderungen im Arbeitsmitteleinsatz zur Folge hat. Veränderungen übrigens, die auch wirtschaftliche Vorteile für Sozialorganisationen mit sich bringen dürften. Schneller und unkomplizierter zu kommunizieren, sollte nicht nur Klienten zufriedener machen, es spart auch Zeit und Geld.

Das die Digitalisierung der sozialen Arbeit durch Remote-Arbeit im Home-Office oder von unterwegs eine bisher ungeahnte Flexibilität und einen deutlichen Zeitgewinn bietet, wurde in der Session von Caritas Tandem 4.0 ebenfalls thematisiert. Wichtig seien auch hier klare Vorgaben und der strukturierte Einsatz der neuen Kommunikationsinstrumente. Vielen Dank für die spannende Session!

Gestatten, mein Name ist PAUL – Digitale Assistenz

Eine weitere interessante Session wurde am zweiten Tag zur Assistenzsoftware PAUL angeboten. PAUL steht für Persönlicher Assistent für unterstütztes Leben und verspricht einen möglichst niederschwelligen und barrierefreien Zugang zu Informationen und dadurch letztlich auch zu mehr Teilhabe. PAUL bietet eine Vielzahl von Multimedia- und Kommunikationsfunktionen dergestalt an, dass sie für ältere Menschen und für Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung leicht verständlich und händelbar sind. Kritische Stimmen merkten an, dass derartige Softwarelösungen Klienten ggf. noch weiter ausgrenzen und den Direktkontakt zum Pflegepersonal reduzieren könnten.

Mit unserem “Blick von außen” haben wir allerdings vor allem mitgenommen, dass PAUL in erste Linie den Alltag der Anwender/innen erleichtern kann und gar kein Ersatz für die Face-to-Face-Kommunikation in der Pflege sein will, sondern eine Ergänzung. Nach einer individuellen Einweisung der Anwender hat PAUL aus unserer Sicht auf jeden Fall Potenzial – für die Anwender genauso wie für das Pflegepersonal.

Die Digitalisierung der sozialen Arbeit offensiv angehen

Die Digitalisierung der sozialen Arbeit gleichzeitig feinfühlig aber auch mutig anzugehen, schließt sich aus unserer Sicht nicht aus. Im Gegenteil: Über kurz oder lang werden diejenigen Sozialunternehmen im Wettbewerb (und vor den Kostenträgern) die Nase vorn haben, die sich Themen wie digitaler Kommunikation oder aber auch der neuen Arbeitswelt (New Work) offensiv annehmen. Wir sprechen hier übrigens nicht über einen neuen Trend – entsprechende Entwicklungen sind seit vielen Jahren in zahlreichen anderen Branchen zu beobachten. Die Akteure der sozialen Arbeit sollten die Instrumente, die ihnen die Digitalisierung an die Hand gibt, für sich „mission ready“ machen und sie entsprechend der organisationsinternen Möglichkeiten schrittweise zum Einsatz bringen.

Davon würden letztlich nicht nur Klienten, Kostenträger und das Sozialunternehmen selbst, sondern auch die Mitarbeiter profitieren. Gerade im Hinblick auf die Gewinnung von Fachkräften – so dürfte zum Beispiel die Aussicht Klientenakten im Jahr 2018 noch per Hand zu führen, nur auf die allerwenigsten Bewerber/innen attraktiv wirken. Moderne Kommunikationsmittel, wie zum Beispiel Messenger, nicht einsetzen zu können, obwohl man weiß, um wieviel produktiver und „näher dran“ man damit sein könnte, wird den Sozialarbeiter-Nachwuchs mittelfristig genauso frustrieren wie die Klienten.

Als PR-Agentur auf dem Sozialcamp. Warum?

Seit rund 10 Jahren beraten und begleiten wir zahlreiche Sozialunternehmen, NGOs und öffentliche Einrichtungen in allen Kommunikationsfragen – von Anti-Stigma-Kampagnen, über die klassische Pressearbeit bis hin zur Planung und Durchführung von internen und externen Events. Thematisch liegen unsere Schwerpunkt dabei aktuell auf den Bereichen “Langzeitarbeitslosigkeit” und “Arbeit und Qualifizierung für bzw. von Menschen mit Behinderung”. In diesem Zusammenhang ist unsere Agentur zudem aktives Mitglied der Initiative bonn-rhein-sieg-fairbindet, die für die Schaffung eines inklusiven Arbeitsmarktes in der Region Bonn-Rhein-Sieg kämpft. Im Rahmen unserer Beratungstätigkeit entwickeln wir gemeinsam mit unseren Auftraggebern zahlreiche Kommunikationsmaßnahmen, deren Ziel es ist, benachteiligte Bewerberzielgruppen und Arbeitgeber zusammenbringen – Personalmarketing andersherum, könnte man sagen.

Aus ganz Deutschland und sogar aus Österreich hatten rund 170 Vertreter/innen zahlreicher Sozialorganisationen ihre Teilnahme am Sozialcamp angekündigt. Wir versprachen uns einen interessanten Austausch – und genau so sollte es schließlich auch kommen. Durch unsere Teilnahme am Sozialcamp konnten wir unsere Erfahrungswerte in zahlreichen Einzelgesprächen und im Rahmen ausgewählter Sessions mit einigen der rund 170 Teilnehmer/innen teilen. Andersherum war es natürlich genauso.

Ansprechpartner:

Sara Hoyer

Tel.: (0228) 299 753 11
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